Südfinder: "Gudrun Vogel macht ernst und sagt Riedlingen Adé"

(von Kristina Schmidl, "Südfinder", 25.04.2018) - Stadträtin und Kulturschaffende zieht nach Bad Cannstatt.

RIEDLINGEN - „Ich hasse umziehen“, betont Gudrun Vogel, während sie mit ihren Helfern am Samstagvormittag eine Umzugskiste nach der anderen aus ihrer Wohnung an der Hindenburgstraße in den Hof dahinter hievt. Dort stapeln einige kräftige Männer die Kartons in einen Lkw. Obwohl sie dabei geschickt vorgehen, füllt sich das Fahrzeug in Windeseile und Gudrun Vogel befürchtet, dass gar nicht all ihre Sachen hineinpassen. 

Gegen Mittag verabschiedet sich ein Teil der Helfer und der Lkw setzt sich in Bewegung Richtung Cannstatt. Einer von Gudrun Vogels Söhnen hat dort ein Haus gekauft, indem er mit Frau und Kindern lebt. Eine kleine Wohnung hat er dort für seine Mutter freigehalten. Dieser Tage baut Gudrun Vogel darin ihre Möbel auf und packt ihre Sachen aus. Sie hofft, dass der Umzug zu ihrem Sohn der letzte ihres Lebens war. Hat sie doch schon so viele hinter sich bringen müssen. Bis zu ihrem letzten Tag in Riedlingen war die quirlige Rentnerin derart eingespannt, dass sie gar nicht realisieren konnte, dass nun ein neuer Lebensabschnitt in einer neuen Heimat beginnt. Ihr Riedlinger Freundes- und Bekanntenkreis hat es wohl realisiert. Da gab es herzliche Umarmungen und auch das ein oder andere lange Gesicht beim Abschiednehmen. „Ich komme euch schon immer wieder besuchen“, sagt Gudrun Vogel. Aber ihr Lebensmittelpunkt ist Riedlingen fortan eben nicht mehr. Und Bad Cannstatt liegt eineinhalb Autostunden von der Donaustadt entfernt.

Seit dem Eintritt ins Rentenalter hat sich Gudrun Vogel insbesondere in kultureller Hinsicht hervorgetan. Zuletzt durch die Veröffentlichung ihres ersten Buches über das Leben und Werk der Riedlinger Malerin Gerda Sorger, mit der Gudrun Vogel seit Jahren malt und befreundet ist. Das Buch heißt „Gerda Sorger. Porträt einer Künstlerin“ und ist in der Ulrich’schen Buchhandlung erhältlich. Der Öffentlichkeit vorgestellt hat es Gudrun Vogel im März bei der Vernissage zur jüngsten Ausstellung mit Gemälden von Gerda Sorger in der Riedlinger Filiale der Kreissparkasse.Mittlerweile arbeitet die 66-Jährige an ihrem zweiten Romanprojekt zum Thema „Fremdsein“ beziehungsweise „Überwindung schwieriger sozialer Bedingungen“.

2016 und 2017 hat sich Gudrun Vogel maßgeblich um die Realisierung und Organisation des Riedlinger Theatersommers gekümmert. Sie war als Produktionsleiterin des Stücks „Kleine Stadt. Große Welt“ aus der Feder von Peter Renz tätig und ist als eine von drei Fremdenführerinnen aufgetreten. Sie wies den Gästen im blauen Kostüm den Weg von von Schauplatz zu Schauplatz. Mit dem Abschied von ihrer eigenen Ergotherapie-Praxis an der Hindenburgstraße und dem Eintritt ins Rentenalter hat Gudrun Vogel auch wieder angefangen zu malen. Häufig setzt sie sich in ihren Gemälden und Collagen mit Texten auseinander oder mit Mythologie. Ihr Hang zum Surrealismus lässt sie immer wieder in etwas bizarren Welten wandeln. Dabei gibt es Phasen, in denen sie in kräftigen Farben schwelgt, um sich dann wieder auf schwarzweiße Darstellungen zu reduzieren. „In einem für mich gelungenen fertigen Bild sehe ich meine Gedanken und Emotionen auf den Punkt gebracht“, erklärt sie. „Ich habe mir im besten Fall ein sichtbares Gegenüber geschaffen, mit dem ich dann distanzierter
in Dialog treten kann.“

Unzählige Bilder hat Gudrun Vogel im Laufe der Jahre gemalt. Sie heil zu transportieren war wohldie größte Herausforderung beim Umzug. Die 66-Jährige ist Mitglied im Kunstkreis 84 und im Bad Saulgauer Kunstverein und hat verschiedene Gruppen- und Einzelausstellungen in der Region gehabt. Die letzte Einzelausstellung war im März in der Galerie Scopes. Im Januar nahm sie an einer Mitgliederausstellung des Kunstvereins Bad Saulgau in der Galerie Fähre teil. Von 2014 bis zum Frühjahr 2018 hat sich Gudrun Vogel auch politisch engagiert als Gemeinderätin auf der Liste Mut tut gut! Außerdem war sie viele Jahre lang im Beirat des Handels- und Gewerbevereins und des Riedlinger City- und Marketingvereins. Der Schwerpunkt ihres ehrenamtlichen Engagements lag dabei auf kulturellen Themen.

Ihre gewohnten Zelte in Riedlingen abzubrechen, falle ihr zwar etwas schwer. Doch manchmal müsse man halt Abschied nehmen, sagt Gudrun Vogel, die sich in Bad Cannstatt auf neue Möglichkeiten und Erfahrungen freut. Angst, keinen Anschluss zu finden, hat sie überhaupt nicht. Gudrun Vogel ist kontaktfreudig, quirlig und vielseitig interessiert. Langeweile ist ihr fremd. Außerdem werde sie hin und wieder ja doch nach Riedlingen kommen, um all die lieb gewonnenen Menschen, die sie dort in beinahe 30 Jahren habe kennenlernen dürfen, wiederzusehen.

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