Südfinder: "Gudrun Vogel geht unter die Romanautorinnen"

(von Kristina Schmidl, "Südfinder"): Als Hobbymalerin ist Gudrun Vogel in ihrer Wahlheimat Riedlingen seit vielen Jahren bekannt. Außerdem schreibt die Stadträtin in ihrer Freizeit. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Roman. Er handelt vom Leben und Werk der Riedlinger Malerin Gerda Sorger.

RIEDLINGEN (VON KRISTINA SCHMIDL, "Südfinder, 13.12.2017")
Früher hat Gudrun Vogel Gedichte, Essays und Kurzgeschichten verfasst. Als sie Anfang des vergangenen Jahres eine Laudatio auf die Riedlinger Künstlerin Gerda Sorger, die damals in der Galerie Ricki Scopes ausstellte, halten sollte, entwickelte sich die Idee, einen Roman über die spannende Lebensgeschichte der 93-Jährigen und über ihr künstlerisches Werk zu schreiben. Gudrun Vogel besuchte dazu Schreibkurse bei dem oberschwäbischen Autor Peter Renz, aus dessen Feder das Stück „Kleine Stadt. Große Welt“, stammt, das im Rahmen des Riedlinger Theatersommers aufgeführt worden ist. „Gerda Sorger ist für mich ein Gesamtkunstwerk“, betont Gudrun Vogel. Mtg!- Stadträtin ist fasziniert von Gerda Sorgers unbändigem Lebenswillen und ihrer Fähigkeit, in widrigen Lagen durchzuhalten und davon, wie sie den Krieg überlebt hat. Gerda Sorger ist in Calmbach im Schwarzwald geboren. Sie war 15 als der Krieg ausbrach und zog mit ihrer Familie kurz nach dem Polenfeldzug in die Ostgebiete, nach Tulischau. Sie arbeitete in Weimar in einem Lazarett, kehrte nach dem Krieg wieder in den Schwarzwald zurück und kam mit ihrer Familie schließlich nach Riedlingen, die Geburtsstadt ihres Vaters.

Dort führte sie einige Jahre lang ein Textilgeschäft in der heutigen Kreissparkasse und pflegte über einen langen Zeitraum ihre Mutter. Nach deren Tod begann Gerda Sorger 1975 zu malen. Und zwar einfach, was sich ergibt. Es passiere einfach, sagt Gerda Sorger, die sich in den 40 Jahren, in denen sie sich künstlerisch betätigt, weit über Oberschwaben hinaus einen Namen als Malerin gemacht hat. In Gudrun Vogels Buch sollen Farbdrucke von Gerda Sorgers Werken und Fotografien aus dem Leben der Künstlerin platziert werden. Und das kostet. Daher ist Gudrun Vogel auf der Suche nach Sponsoren. Die Zusage der Biberacher Verlagsgesellschaft, dass sie den Roman gerne publizieren würde, hat die Autorin. Sie wünscht sich, dass das Buch noch zu Gerda Sorgers Lebzeiten erscheint. Sie wird am 7. Februar 94 und ist laut Gudrun Vogel nicht nur eine „unermüdlich starke Frau“, sondern auch „eine der letzten Zeitzeuginnen einer für die meisten von uns weit vergangenen Zeit“. Parallel zur Sponsorensuche arbeitet die frisch gebackene Rentnerin bereits an ihrem zweiten Romanprojekt. Das Buch handelt vom Fremdsein und beinhaltet autobiografische Elemente: Gudrun Vogel ist nach dem Krieg in einem Dorf am Rande der Reutlinger Alb aufgewachsen. Ihre Mutter kam als Flüchtling dorthin. Ihre Fremdheit, das „Daneben“ in der Dorfgemeinschaft ist an die Kinder weitergegeben worden - als Erfahrung der völligen Verunsicherung und Gefühlder Entwurzelung bzw. nicht richtig zu sein. Gudrun Vogel beschreibt in ihrem zweiten Roman auch wie sich traumatische Dispositionen vererben und unter welchen Bedingungen sie zum Ausbruch kommen können. Wann das Buch fertig sein wird, weiß die Autorin nicht. Nur so viel: „Es kann schon noch dauern.“ Mit dem Eintritt ins Rentenalter hat Gudrun Vogel angefangen wieder zu malen. „Malen und schreiben greifen für mich ein Stück weit ineinander. Auch beim Malen geht es mir um Geschichten und darum, hinter die Oberfläche zu sehen. Manchmal lässt sich Gudrun Vogel von Gedichten inspirieren. So gibt es zum Beispiel Arbeiten zu lyrischen Texten von Ingeborg Bachmann. Gudrun Vogel arbeitet in Mischtechniken. Ihre Bilder muten oft traumhaft an. Ihr Hang zum Surrealismus lässt sie immer wieder in bizarre Welten wandern. Dabei gibt es Phasen, in denen sie in kräftigen Farben schwelgt, um sich dann wieder auf schwarz-weiße Darstellungen zu reduzieren. In Ihren Werken geht es Gudrun Vogel um eine Vorund Rückschau, um die Frage, was das Leben ist, und was hinter den Dingen steckt. Oft lässt sie ihr Interesse für Märchen, Mythen und Archäologie miteinfließen. „Ich wünsche mir, dass meine Bilder Emotionen auslösen. Es geht mir nicht an erster Stelle um die Erschaffung von schönen Motiven, wenngleich ich natürlich für das Gesamtbild durchaus eine gestalterische Harmonie anstrebe“, sagt die Künstlerin. Als nächstes möchte sie sich malend mit dem Thema Bäume auseinandersetzen. Bäume sind für Gudrun Vogel faszinierende Lebewesen, die die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft verbinden. Der Wald ist für sie seit ihrer Kindheit ein Zufluchtsort, in dem sie Kraft tanken kann. Die Herausforderung ihres Baumprojekts bestehe darin, Menschen und Bäume zusammenzubekommen und die Bäume anders darzustellen als auf Fotografien. Drei Werke von Gudrun Vogel sind im Rahmen der Mitgliederausstellung des Kunstvereins Bad Saulgau bis zum 21. Januar 2018 in der Galerie Fähre zu sehen. Die Schau ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gudrun Vogels künstlerischen Projekte laufen künftig alle unter dem Namen „Wort & Bild".